Galmeigruben und Zinkindustrie in Moresnet
Bild größer
S.A. Vieille Montagne, Usine de Moresnet
Ein weiterer wichtiger, wenn nicht der bedeutendste Einzelstandort des Metallbergbaus in der Euregio Maas-Rhein, lag am Altenberg (Vieille Montagne) bei Kelmis/Moresnet. Hier lässt sich der Abbau der Galmei bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen, die Anfänge lagen jedoch vermutlich bereits in der römisch-keltischen Zeit. Der Besitz dieses Gebietes mit seinen wertvollen Bodenschätzen war bis ins 18. Jahrhundert immer wieder Gegenstand erbitterter Auseinandersetzung, so etwa im 15. Jahrhundert zwischen Philip von Burgund, dem Herzog von Brabant-Limburg, und der Stadt Aachen.
Bild größer
S.A. Vieille Montagne, Usine de St. Léonard
à Liège (Bildausschnitt, Zinköfen)
Der Bergbau wurde von einer Reihe größerer und kleinerer Konzessionäre und Pächter betrieben. Diese Unternehmer rekrutierten sich ebenso aus der Aachener Kaufmann- und Kupfermeisterschaft rekrutierten wie aus Vertretern des Stolberger Handwerks und überregionalen Investoren. Auch nachdem die Region 1794 der Republik Frankreich zugefallen war, blieben bis 1805 die traditionellen Strukturen im Zinkbergbau erhalten. Erst ein Dekret Napoleons I. vereinigte die Bergbaurechte unter einer Konzession. Diese wurde zunächst von Dony, dem Lütticher Erfinder der Zinkaufbereitung, dann von dem ebenfalls aus Lüttich stammenden Kaufmann und Bankier Dominique Mosselmann übernommen.
Bild größer
S.A. Vieille Montagne, Zinkbergbau in Moresnet
Nach dem Ende der Napoleonischen Vorherrschaft im Westen Europas konnten sich die Mächte der Heiligen Allianz nicht über den Verbleib der Lagerstätten bei Preußen oder Frankreich einigen. Sie neutralisierten das Gebiet um Kelmis, das bis zum Ersten Weltkrieg unter der Bezeichnung Neutral-Moresnet eine völkerrechtliche Ausnahme in Europa darstellte. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden die Galmeigruben - stimuliert durch die wachsende Nachfrage nach Zink - stark ausgebaut und durch Hüttenwerke sowie Verarbeitungsbetriebe erweitert. Ab 1837 beherrschte die Société Anonyme des Mines et Fonderies de Zinc de la Vieille Montagne das industrielle Leben um den Altenberg. Ihr Produkt, Zink, begann seine in Belgien und Frankreich, teilweise auch in Deutschland führende Stellung einzunehmen.
Bild größer
S.A. Vieille Montagne, Zinkbergbau in Moresnet
Nicht nur die Zinkdächer und -fassaden Aachens und Lüttichs, auch die einzigartige Dachlandschaft von Paris zeugen von seiner einstigen Bedeutung, aus der es teilweise erst im 20. Jahrhundert von anderen Baumaterialien verdrängt wurde. Als multinationales Bergbauunternehmen bestritt die Gesellschaft um die Mitte des 19. Jahrhunderts, der Hochphase ihrer Produktion, nahezu die Hälfte der Weltzinkproduktion. Ihr außergewöhnlicher Erfolg kann einerseits auf eine Reihe bedeutender Unternehmerpersönlichkeiten zurückgeführt werden, andererseits auf das vor allem durch die Banque Nationale de Belgique abgesicherte finanzielle Fundament des Unternehmen.
Bild größer
S.A. Vieille Montagne, Zinkbergbau in Moresnet
Noch vor Ende des Jahrhunderts ereilte sie jedoch das für die Metallbergbaustandorte der Region typische Schicksal. In den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurde der größte Teil der Gruben sukzessive geschlossen; die Zinkhütte in Kelmis wurde 1885 stillgelegt. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war die Zinkindustrie fast vollkommen von importierten Rohstoffen abhängig. Die ausländischen Gruben der Société Vieille Montagne verteilten sich nun von Deutschland, Frankreich und England über Italien und Spanien bis nach Nordafrika. Vor Ort blieb noch bis Anfang der 1950er Jahre die Aufbereitung von Haldenbeständen sowie importierter Erze erhalten, die Gesellschaft selbst ist nach wie vor als Hersteller von Zinkprodukten tätig.

Mit der Schließung der letzten Bergwerke endete auch am Altenberg die Ära des Metallbergbaus, der die Region für fast zwei Jahrtausende mit geprägt hatte. Seine Spuren finden sich heute nicht nur in der aktuellen Wirtschaftsstruktur, in der die Metallverarbeitung noch immer eine prominente Rolle spielt, sondern auch in zahlreichen naturräumlichen, artefaktischen und architektonischen Überresten, die zum Teil bereits ihren Weg in die museale und historische Aufarbeitung gefunden haben.
[ zurück ] [ anfang ]