|
| Das Aachener Revier |
 |
Auf deutscher Seite gliedert sich die Bergbauregion im Aachener Revier in zwei Bereiche: in das
Gebiet entlang der Wurm bis zum Erkelenzer Horst im Norden sowie den Bergbau an der Inde zwischen
Stolberg, Eschweiler und Weisweiler. Besonderes Kennzeichen des Wurmgebiets sind die exakte
räumliche Trennung der Vorkommen von Mager- und Fettkohle sowie die erheblichen Wasserzuflüsse,
die den Bergleuten seit dem Mittelalter Probleme bereitet haben. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert
wurden die im Wurmtal relativ oberflächennah lagernden Flöze mit Magerkohle abgebaut. Da bis zur
Zeit der französischen Besetzung (1794-1814) das Wurmgebiet in verschiedene Herrschaftsbereiche
aufgeteilt war, gab es kleinräumlich unterschiedliche Besitz- und Ausbeutungsrechte, die zu ständigen
Streitigkeiten um Konzessionen und Abgabepflichten führten. Bis zu 450 Gruben sollen sich Ende
des 18. Jahrhunderts im Wurmgebiet befunden haben. Die abgebaute Magerkohle konnte allerdings
nicht, wie die Fettkohle im Indegebiet, für die Eisen- und Messingindustrie genutzt werden, sondern
diente in erster Linie als Hausbrand.
Ebenfalls seit dem Mittelalter wurde Steinkohle im Indegebiet zwischen Stolberg, Eschweiler und
Weisweiler abgegraben. Vor allem der Kohlberg in Eschweiler erwies sich als ergiebig, obwohl die
Mächtigkeit der Flöze im Schnitt nur 0,7 m beträgt und die Wasserführung, wie im Wurmtal,
beträchtliche Schwierigkeiten bereitete. Die Nähe zur Metall verarbeitenden Industrie in Stolberg
begünstigte den Abbau, doch waren es auch hier vor allem kleine Unternehmen, die in relativ
ungeregeltem Abbau den Kohlberg "durchlöcherten".
Mit der Einführung des französischen Bergrechts, das linksrheinisch bis 1865 bestand, wurde es für private
Unternehmer, insbesondere Aktiengesellschaften, lukrativ, sich im Bergbau zu engagieren. 1834/35 wurde der
Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) als erste Bergbau- Aktiengesellschaft in der Region gegründet. Seit 1836
bestand die Vereinigungsgesellschaft für Steinkohlenbau im Wurm-Revier, die alle Magerkohlegruben vereinigen
sollte. Daneben engagierten sich auch ausländische Unternehmen, insbesondere belgische und französische
Geldgeber, im Aachener Revier.
|
 |
|
 |
Erhaltenswerte Industriearchitektur |
Durch verbesserte technische Möglichkeiten konnten im Laufe des 19. Jahrhunderts auch die tieferen,
unter mächtigen Sandschichten liegenden Vorkommen von Fettkohle im Aachener Norden erschlossen werden.
Fettkohle besaß für die aufstrebende Eisen- und Stahlindustrie Europas große Bedeutung. Als eine der
leistungsfähigsten Fettkohlegruben des Wurmgebiets erwies sich die Grube Anna in Alsdorf, die 1854 ihre
Förderung aufnahm. 1863 übernahm der EBV die Grube. Damit weitete er nicht nur seine Stellung vom
Inde- ins Wurmgebiet aus, sondern entwickelte sich im Laufe der Zeit zur mächtigsten Bergbaugesellschaft
im Aachener Revier.
Mit der Expansion des Bergbaus verstädterten die einst kleinen ländlichen Gemeinden. Der Zuzug
zahlreicher Bergarbeiter und das damit verbundene schnelle Bevölkerungswachstum brachten große
Wohnungsbauprobleme mit sich. Bis heute prägen Bergarbeitersiedlungen und Halden den Raum zwischen
Aachen, Geilenkirchen und Erkelenz. Mit der Schließung der Grube Sophia-Jacoba in Hückelhoven 1997
endete im letzten Revier der EUREGIO Maas-Rhein die lange Geschichte des Steinkohlebergbaus der Region.
|
 |
|
|
|
|